Schwierige Phasen meistern: 5 Anker für unruhige Zeiten

Kennst du diese Momente, an denen der Zugang zu deinen Kraftquellen wie abgeschnitten scheint? Wenn Methoden, die sonst helfen, plötzlich versagen? Du bist damit nicht allein. In diesem Artikel teile ich fünf Wege mit dir, wie du dein Nervensystem beruhigen kannst, ohne dich unter Druck zu setzen. Erfahre, warum „Ja sagen“ nichts mit Aufgeben zu tun hat und wie du die Last für einen Moment abgeben kannst.

Es gibt Zeiten, da fühlt sich unser Leben und unsere Entwicklung leicht an. Wir merken Fortschritte, sind guter Dinge und kommen merklich voran auf unserem Weg. Und es gibt Zeiten – manchmal Tage, manchmal auch Wochen oder Monate –, in denen es stockt, es schwierig ist und wir vielleicht sogar den Zugang zu allen Methoden und Werkzeugen verlieren, die uns sonst zuverlässig unterstützen. Das sind sehr herausfordernde Momente, die uns innerlich unruhig machen, die uns verzweifeln oder erstarren lassen können.

Oft befinden wir uns dann in einer dieser typischen Übergangsphasen unserer Entwicklung, die sich zwar schwer anfühlen, aber eigentlich ein Zeichen für tiefgreifende Wandlung sind.

Ich kenne solche Phasen – und möchte heute mit dir teilen, was mir dann hilft. Denn manchmal bekommen wir in diesen Momenten Dinge gesagt (oder sagen sie zu uns selbst) wie: „Das wird schon wieder“ oder „Ach, so schlimm ist es doch gar nicht.“ Alles vielleicht nett gemeint – aber oft fühlt man sich danach nicht unbedingt besser, eher im Gegenteil.

Hier sind fünf Möglichkeiten, um dein Nervensystem zu beruhigen und dich wieder mehr in deiner Mitte zu verankern. (Sie müssen nicht alle zur gleichen Zeit wirken – vielleicht fällt dir spontan ein Ansatz auf, den du mal ausprobieren magst.)

1. Ja sagen – den inneren Kampf aufgeben

Mein erster Impuls: Ich sage Ja zu dem, was gerade ist.

„Uah!“, denkst du jetzt vielleicht – „Dazu soll ich auch noch freiwillig Ja sagen? Auf keinen Fall!“ Ich meine damit nicht, dass du die Situation gut finden oder schönreden sollst.

Es geht eher darum, für einen Moment all das innere Ringen, Anstrengen und Dagegen-Ankämpfen ruhen zu lassen. Und schlicht wahrzunehmen: Ja, so ist es gerade. Ja, ich fühle mich müde. Ja, ich bin unsicher. Ja, es fällt mir richtig schwer. Und:

Ich laufe nicht davor weg. Ich kämpfe nicht dagegen an. Ich stecke nicht den Kopf in den Sand. Ich nehme all das wahr und bleibe einfach da.

Dieses einfache (und manchmal ziemlich schwere) Anerkennen kann eine erstaunliche Entlastung bringen. Es signalisiert unserem Nervensystem: Ich muss nicht alles gleichzeitig lösen. Es darf einfach mal so sein. Und in dieser Ruhe, mit diesem Ja entsteht oft die erste kleine Spur von Stabilität.

2. Ablenken – erst mal Abstand gewinnen

Wenn alles zu viel scheint, kann es auch hilfreich sein, hin und wieder bewusst Abstand zu schaffen. Den inneren Knoten für einen Moment ruhen und den Kopf und die Gefühle durchatmen zu lassen. Dazu gibt es viele Möglichkeiten: Einen schönen Film schauen, ein Buch lesen, einen Spaziergang machen, sich zum Kaffee verabreden, ein Puzzle lösen – einfach angenehme, entspannte Dinge tun, um den Blick von der Schwierigkeit abzuwenden und den Gedanken eine andere Richtung zu geben.

Diese Ablenkung ist kein Aufgeben, sondern eine notwendige Pause, um später wieder klarer handeln zu können.

Auch im meinen Coachingsitzungen baue ich immer wieder dieses Pendeln vom Herausfordernden hin zum Angenehmen ein. Es kann für die Klienten sehr erleichternd sein, immer wieder mal eine Pause von all dem Kuddelmuddel, all den schwierigen Gefühlen, die uns begegnen, zu machen und zu merken: Der Boden unter mir ist noch da, die Lehne in meinem Rücken auch. Ich kann mich im Raum umschauen, aus dem Fenster blicken, ein paar entspannte Atemzüge nehmen oder kurz aufstehen – und mich danach ruhiger und gestärkter wieder meinen Themen widmen.

3. Wahrnehmen, wie weit du schon gekommen bist

Manchmal vergessen wir in all den Turbulenzen, dass wir schon eine weite Wegstrecke zurückgelegt und dabei viel gelernt, verstanden und gemeistert haben.

Mein dritter Impuls ist: Tritt einen Schritt zurück und betrachte das größere Bild. Bestimmt fällt dir etwas ein, was dir heute leichter fällt als noch vor zwei, fünf oder zehn Jahren. Vielleicht erkennst du manipulative Situationen schneller, setzt Grenzen klarer oder reagierst ruhiger als früher? Dieses Bewusstsein kann Kraft geben, denn es zeigt:

Du bist nicht verloren. Du bist schon auf dem Weg – auch wenn es gerade stockt und schwierig ist. Das, was du aufgebaut hast, bleibt da, selbst wenn du es im Moment nicht spürst.

4. Die schwere Last abgeben

Manchmal hilft es zu sagen: „Ich gebe die Last für eine Weile ab“. Ich mache eine Pause von diesem Prozess und überlasse den schweren Rucksack einer größeren, liebevollen Kraft. Manchmal sind es in meiner Vorstellung große, starke, behütende Hände, die alles halten. Manchmal ist es das Bild, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, während eine gütige Kraft das Steuer übernimmt. Es kann entlastend sein, sich daran zu erinnern:

Es gibt eine ruhige, liebevolle Kraft, die immer da ist, auch wenn alles andere unsicher scheint.

Sie ist unscheinbar und drängt sich nicht in den Vordergrund. Deshalb kann man sie leicht übersehen, wenn gerade so viel verändert. Doch sie ist geduldig da und wir können uns jederzeit an sie anlehnen.

5. Licht am Ende des Tunnels: Das Danach wahrnehmen

In den schwierigen Phasen sehen wir manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wir nehmen nur das Schwierige, Verzwickte wahr. Dabei kann es so heilsam sein, den Blick zu heben und zu sehen:

Ja, dieser Weg führt dich weiter. Es wird nicht für immer so bleiben. Es wird eine Zeit geben, in der du aus diesem Tunnel wieder ins Licht trittst.

Kannst du dieses Licht und das „Danach“ heute schon erahnen? Wie fühlt es sich an, dort anzukommen?

Es wird wieder leichter werden. Und du wirst neue Ressourcen, neue Kraft und neue Weisheit aus dieser Phase schöpfen – auch wenn das jetzt noch fern oder vielleicht sogar unmöglich scheint.

Kleine Schritte zurück ins Leben

Wenn sich die schwierige Phase wandelt, beginnt das vorsichtige Aufrichten. Nach der Durststrecke bricht langsam eine neue Phase an – und es wird wieder mehr möglich. Vielleicht mehr Kontakt mit anderen Menschen, mehr Aktivität, mehr Lebensfreude.

Nichts davon muss groß und spektakulär sein. Es geht um die kleinen, stetigen Schritte, die uns zurück in unsere Lebenskraft führen. Wenn du diese Schritte nicht alleine gehen willst und dir in einer solchen Phase Begleitung wünschst, die dich unterstützt, deine Anker wiederzufinden, bin ich gerne für dich da.

Alles Gute für dich,