Anlehnen statt funktionieren: Ein Weg zu neuem inneren Frieden (mit Meditation)

Wenn wir längere Zeit Stress, Überforderung oder Traumatisches erlebt haben, bleibt unser Nervensystem oft im Alarmzustand. Dann kann sich selbst etwas Grundlegendes wie Liebe oder Geborgenheit fern oder unsicher anfühlen. Dieser Artikel lädt dich ein, dich behutsam wieder einer verlässlichen, tragenden Kraft zuzuwenden – einer Liebe, die nichts fordert, nicht von Leistung abhängt und trotzdem da ist. Du erfährst, warum sie nach Trauma oft schwer zugänglich ist und wie dein Nervensystem langsam wieder lernen kann, sich zu öffnen.

Wenn das Nervensystem müde ist vom Starksein

Viele von uns haben gelernt zu funktionieren: stark zu bleiben, weiterzumachen, uns zusammenzureißen. Oft ist das keine bewusste Entscheidung, sondern eine kluge Überlebensstrategie unseres Nervensystems – entstanden in Zeiten, in denen es wichtig war, durchzuhalten. Doch irgendwann wird genau das anstrengend. Ziemlich anstrengend. Und wir merken: Heute braucht es etwas anderes.

So sehnen sich viele von uns nach einem Ort, an dem wir nichts leisten müssen. An dem wir einfach sein dürfen, ohne Erwartungen. Denn tief in uns wirkt oft die unbewusste Überzeugung, Liebe oder Zuwendung müsse man sich verdienen – durch Anpassung, gutes Verhalten oder ständige Selbstoptimierung. Und das kann uns innerlich auslaugen oder hart machen.

Dieser Text ist eine Einladung, diesem Wunsch zu folgen – und sich einer Liebe zuzuwenden, die uns zuverlässig trägt. In ruhigen wie in chaotischen Zeiten.

Ein Raum, in dem wir nichts leisten müssen

Auch ich kenne Phasen, in denen mir alles zu viel wird und ich mich innerlich wie abgekoppelt fühle. In denen ich mich noch mehr anstrenge, noch mehr planen, leisten, schaffen und „richtigmachen“ will.

Und paradoxerweise hilft mir gerade dann nicht noch mehr Anstrengung, sondern das Gegenteil: einen Schritt zurückzutreten, auszuatmen und mich daran zu erinnern, dass es so etwas wie einen tieferen inneren Halt gibt. Eine stabile, unterstützende, liebevolle Kraft, die eben nicht von meiner Leistung abhängt.

Für mich fühlt sich diese liebevolle Kraft oft an wie ein warmer, geduldiger, nährender Raum, in dem ich mich einfach entspannen kann. Manchmal auch wie ein goldenes Netz, was mich immer zuverlässig auffängt, egal wie schwer die Situation scheint oder wie tief ich falle.

Oder wie eine Autofahrt in den Urlaub, bei der ich einfach an Bord sein und mich zurücklehnen kann und nicht das Steuer übernehmen muss – wie in diesem Video:

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Weitere Informationen

Du siehst hier schon: Dieser tiefere, liebevolle Halt zeigt sich auf viele unterschiedliche Arten. So kann jeder von uns einen ganz eigenen Zugang finden – einen, der sich stimmig anfühlt und dem eigenen Nervensystem entspricht.

Loslassen, was wir nicht mehr alleine tragen müssen

Es kann sehr entlastend sein, für einen Moment anzuerkennen: Ich muss nicht alles alleine tragen. Es gibt da ein tiefes, liebevolles Fundament, das stabilisiert und nährt – und das da ist, auch wenn ich es gerade nicht bewusst spüre.

Manche nennen es eine liebevolle, ordnende, tragende Kraft, andere sprechen von Liebe, Gott, göttlicher Liebe oder einfach von etwas Größerem, das uns verbindet. Es sind unterschiedliche Worte für eine ähnliche Erfahrung: ein warmes Gefühl gehalten, eingebettet und aufgefangen zu sein.

Auf körperlicher Ebene ist das die Erfahrung von Sicherheit und Co-Regulation, wie sie unser Nervensystem in frühen Beziehungen lernt. Manche Menschen erleben diese Qualität später auch als etwas Größeres oder Spirituelles – andere ganz nüchtern als inneren Halt. Beides kann nebeneinander existieren.

Wenn der liebevolle Halt schwer erreichbar ist

In meiner Arbeit mit Klienten und auch in meinem eigenen Prozess habe ich gemerkt: Dieser liebevolle Halt ist eine der wichtigsten inneren Ressourcen. Wir können noch so viele Techniken und Methoden lernen und uns Wissen über das Nervensystem und Trauma aneignen – ohne dieses Fundament aus bedingungsloser Liebe und Halt bleibt es trocken, spröde, irgendwie leblos und abgeschnitten.

Gleichzeitig habe ich erfahren, dass dieses Fundament bei vielen von uns – besonders nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen – wie verschüttet und dadurch kaum noch spürbar sein kann.

Unser Gefühl von Getragensein bildet sich in der frühen Kindheit, durch viele kleine Momente von Sicherheit, Zuwendung und Verlässlichkeit. So lernen wir Schritt für Schritt: Ja, ich bin willkommen. Ja, ich werde gesehen und gehalten und muss nichts dafür tun. Immer und immer wieder. Wenn diese Erfahrungen gefehlt haben oder unterbrochen wurden, bleibt unser Nervensystem im Alarmzustand. Es kann uns dann schwerfallen, innere Ruhe oder Unterstützung überhaupt wahrzunehmen.

Die gute Nachricht ist: Dieses Fundament kann auch später im Leben behutsam nachreifen – zum Beispiel in einem sicheren, körperorientierten Begleitungsraum. Der Halt, der uns damals gefehlt hat, kann dort nach und nach genährt und neu erfahrbar werden.

Den Zugang zum liebevollen Halt wiederfinden – im Körper

Ich finde es schön, zu wissen, dass der liebevolle Halt geduldig auf uns wartet. Und wir uns ihm Schritt für Schritt (wieder) annähern können.

Oft beginnt das ganz einfach: indem wir den Halt des Stuhls unter uns oder den Boden unter unseren Füßen spüren. Indem wir Atemzug für Atemzug wahrnehmen: Wow, dieser Halt ist stabil. Und er bleibt. Ich kann es mit meinem Körper spüren: Ich muss hier nichts überblicken, leisten oder halten. Ich kann mich einfach anlehnen und sinken lassen.

So zeigt sich innerer Halt oft ganz leise und unspektakulär:
Ein Gefühl von Wärme im Brustkorb, das sich ausbreitet wie ein erster Sonnenstrahl an einem kühlen Morgen.
Ein paar Atemzüge, die weicher und müheloser strömen als zuvor.
Kurze Momente von größerer innerer Klarheit und Zuversicht.

Wichtig ist nicht, dass sich etwas Bestimmtes zeigt, sondern dass wir eine Haltung der Offenheit für diese kleinen, funkelnden Momente einnehmen können – ohne Druck und ohne Erwartung.

Das allein verändert oft schon etwas. Je weniger wir erwarten, desto leichter kann uns der liebevolle Halt erreichen und direkt im Körper spürbar werden.

Eine Einladung an dich: Meditation „In Liebe baden“

Wenn du möchtest, kannst du diese liebevolle Kraft nun selbst einmal erkunden. Die Meditation „In Liebe baden“ lädt dich ein, dein System zur Ruhe kommen zu lassen und aufzutanken – ohne etwas erreichen zu müssen. Sie ist eine Einladung, zu spüren, wie sich innere Unterstützung dir heute zeigen mag.

Lehn dich zurück, atme aus und nimm wahr: Wie fühlt es sich an, für eine Moment einfach anzukommen?

(Die Meditation beginnt bei Minute 01:55, zuvor erläutere ich noch etwas genauer, worum es geht und welches anschauliche Bild wir nutzen, um uns der Liebe zu nähern.)

Alles Gute für dich,