— inkl. Podcastfolge #34 —
„Ja klar… äh nein, ich mein: jein!“ Kennst du dieses Zögern, wenn der Kopf „Nein“ ruft, aber der Mund „Ja“ sagt? Mir ging es in den letzten Wochen genau so. In diesem Beitrag teile ich Impulse, wie wir lernen können, nach und nach ohne schlechtes Gewissen Grenzen zu setzen. Erfahre, warum ein „Nein“ zu anderen das wichtigste „Ja“ zu uns selbst ist.
Du erfährst…
🌱 was hinter der Schwierigkeit sich abzugrenzen stecken kann,
🌱 den Gedanken, der mir immer wieder dabei hilft, mich abzugrenzen und damit „ja“ zu mir selbst zu sagen und
🌱 was du tun kannst, wenn du das nächste Mal kurz davor bist „Ja“ zu sagen, obwohl alles in dir „nein“ ruft – sodass es dir künftig leichter fällt, dich klar und aufrichtig abzugrenzen.
Hier kannst du die passende Podcast-Folge anhören (A Peace of Language #34, erschienen am 29.09.2020):
🔗 Link zur Folge: Blogartikel: Die “persönliche Brille”: Wie unsere Überzeugungen unsere Realität erschaffen
💬👉 Alle weiteren Folgen von „A Peace of Language“ und ähnlichen Inhalte findest du gesammelt hier: Archiv: Gewaltfreie Kommunikation & achtsame Sprache – alle Inhalte im Überblick
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Der innere Schutzzauber: Warum Abgrenzung nichts mit Magie zu tun hat
„Ach komm, ein Glas geht doch!“ oder „Sei doch nicht so kompliziert!“ – fast jeder, der sich für einen neuen, bewussteren Weg entscheidet, landet früher oder später an diesem Punkt. Ob es um gesündere Ernährung, den Verzicht auf Alkohol oder schlicht mehr Zeit für sich selbst geht: Eigentlich fühlen wir uns großartig mit unserer Entscheidung. Doch sobald die nächste Familienfeier oder ein Treffen mit Freunden ansteht, kann es sein, dass die Erwartungen anderer ungefiltert auf uns einprasseln.
In solchen Momenten wünschen wir uns oft einen magischen Schutzzauber wie bei Harry Potter, der uns vor den Kommentaren bewahrt. Doch gesunde Abgrenzung hat wenig mit Magie zu tun, sondern mit innerer Klarheit. Es ist die Kunst, die eigenen Bedürfnisse genauso wichtig zu nehmen wie die der anderen – ohne dabei die Verbindung zu verlieren.
Warum uns ein „Nein“ so schwerfällt
Der erste Schritt zu einer gesunden Abgrenzung ist die Selbsterkenntnis: Warum fällt es uns eigentlich so schwer, klar zu bleiben? Oft steckt dahinter der tiefe Wunsch, nicht „anstrengend“ zu sein oder anzuecken. Wir sehnen uns nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft. Die Angst, durch ein „Nein“ aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden, sitzt tief.
Doch hier liegt das Paradox: Wenn wir uns ständig anpassen, um dazuzugehören, verlieren wir die Verbindung zu uns selbst. Wahre Authentizität bedeutet, auch dann zu seinen Werten zu stehen, wenn Gegenwind kommt. Ob es um die bewusstere Ernährung geht oder um den Wunsch nach Ruhe statt Party – deine Gründe sind valide. Wenn du dich selbst nicht wichtig nimmst, wer soll es dann tun?
Die langfristigen Kosten der Selbstverleugnung
Es mag kurzfristig leichter sein, nachzugeben und das Glas Wein doch zu trinken, nur um der Diskussion zu entgehen. Aber auf lange Sicht ist diese Selbstverleugnung weitaus anstrengender als ein kurzer Moment des Mutes. In dem bekannten Buch über die Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, steht ein Satz ganz oben: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“
Jedes Mal, wenn du eine Grenze setzt, erweiterst du deine Komfortzone. Das Faszinierende dabei ist: Sobald du innerlich wirklich klar bist, strahlst du das auch aus. Menschen spüren diese nonverbale Energie – wenn dein „Nein“ aus einer tiefen inneren Überzeugung kommt, wird es vom Umfeld oft viel schneller akzeptiert, als wenn du selbst noch schwankst.
Gefühle als Kompass nutzen
Unsere Gefühle sind wie ein Frühwarnsystem. Wenn wir uns gedrängt fühlen oder merken, dass wir „einknicken“, entstehen oft Angst oder Scham. Viele Menschen flüchten sich dann in eine passiv-aggressive Haltung: Sie geben nach, schmollen aber innerlich und geben dem Gegenüber die Schuld an ihrem Unwohlsein. Damit geben wir jedoch die Macht über unser Wohlbefinden komplett ab.
Ein besserer Weg ist es, innezuhalten. Spüre in deinen Körper hinein: Wo sitzt der Kloß im Hals? Wo die Wut? Diese Wut ist nichts Negatives – sie ist ein Geschenk, das uns Klarheit schenkt. Gesunde Wut bedeutet nicht, laut zu werden oder zu poltern. Sie ist schlicht die Kraft, die uns hilft zu sagen: „Das möchte ich nicht. Ich habe mich anders entschieden.“
Grenzen setzen: ein Weg, kein fester Zustand
Abgrenzung ist kein Ziel, das man irgendwann „erledigt“ hat, sondern ein lebendiger Prozess. Es ist völlig okay, wenn sich deine Grenzen verändern und du heute anders entscheidest als noch vor einem Jahr.
Wir neigen oft dazu, uns innerlich zurückzuziehen und darauf zu hoffen, dass unser Umfeld unser Nein intuitiv erkennt. Doch echte Entlastung entsteht meist erst dann, wenn wir einen Weg finden, unsere Bedürfnisse auszudrücken und deutlich zu machen.
Sei es dir selbst wert, deine Grenzen klar und freundlich zu kommunizieren. So wächst nicht nur du selbst, sondern du inspirierst vielleicht sogar Menschen in deinem Umfeld, ebenfalls mutiger zu sich selbst zu stehen.
Konkrete Tipps um friedlich und glasklar zugleich zu kommunizieren, findest du hier im Podcast-Interview mit Rabea Scholz (inkl. Blogartikel).