Wirklich zuhören – was das heißt und wie es uns gelingt

— inkl. Podcastfolge #27 —

Wer spricht, sollte auch zuhören – eigentlich. Doch die Kunst des Zuhörens fällt gerne mal unter den Tisch, wenn es um gute Kommunikation geht. Zu Unrecht, finde ich. Denn wenn wir lernen, wieder aufrichtig und interessiert zuzuhören, hilft uns das dabei, unseren Horizont zu erweitern, dazuzulernen – und die Welt mit diesem Wissen zu verändern. In diesem Beitrag teile ich 3 Impulse mit dir, die dich dabei unterstützen.


Hier kannst du die passende Podcast-Folge anhören (A Peace of Language #27, erschienen am 09.06.2020):

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„Aktives Zuhören“ – dieser Begriff begegnet uns in den letzten Jahren immer häufiger. Er ist fast schon zu einem Modewort geworden. Doch obwohl alle darüber reden, bleibt oft unklar, was damit eigentlich genau gemeint ist. Wir alle wissen intuitiv: Zuhören ist wichtig. Aber wie lernen wir es wirklich? Und wie können wir es in einer Zeit anwenden, in der gesellschaftliche Debatten immer hitziger geführt werden?

Das tiefe Bedürfnis, gesehen zu werden

Im Kern des Zuhörens steht ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: Wir alle wollen verstanden, gesehen und gehört werden. Wir sehnen uns danach, in unserem tiefsten Inneren authentisch wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Umgekehrt löst es ein ungutes Gefühl in uns aus, wenn wir bemerken, dass unser Gegenüber uns verständnislos anschaut oder gedanklich schon ganz woanders ist. Oft reagieren wir darauf mit Ärger oder beginnen uns zu rechtfertigen.

Hier setzt das „wirkliche“ Zuhören an. Das Wort „wirklich“ ist dabei bewusst gewählt: Es soll etwas bewirken. Es ist eine Kunst, die eine positive Wirkung auf unsere Gespräche und Beziehungen hat. Interessanterweise halten sich laut Umfragen 96 Prozent der Erwachsenen für gute Zuhörer. Gleicht man das jedoch mit dem Alltag ab, zeigt sich ein anderes Bild. Wirkliche Meisterschaft im Zuhören ist selten.

Das Dilemma von Senden und Empfangen

In der Kommunikationswissenschaft lernen wir das Sende-Empfänger-Modell. Es braucht jemanden, der sendet, und jemanden, der empfängt. Damit Kommunikation gelingt, muss dieses Verhältnis ausgewogen sein. Doch momentan scheint unsere Gesellschaft im „Sendemodus“ festzustecken. Jeder möchte seine Sicht der Dinge darlegen, seine Weltsicht in soziale Netzwerke tippen oder auf Demonstrationen loswerden.

Die Bereitschaft, als Empfänger zu dienen, nachzufragen und die Botschaft des anderen erst einmal wirken zu lassen, schwindet. Wenn jedoch nur noch gesendet wird, findet kein wirklicher Dialog mehr statt. Das gegenseitige Verständnis bleibt auf der Strecke. Wir sollten uns klarmachen: Wenn wir wollen, dass andere uns zuhören, müssen wir zuerst damit beginnen, selbst zuzuhören. Ganz nach Gandhi: Sei du selbst der Wandel, den du in der Welt sehen willst.

Über den Tellerrand der eigenen Lebenswelt

Gerade bei großen Themen wie Rassismus, Sexismus oder gesellschaftlichen Rechten ist Zuhören der Schlüssel. Wir alle leben auf unserer eigenen kleinen Insel, geprägt durch unseren persönlichen Erfahrungshorizont. Wir wissen oft nicht, wie es anderen Menschen geht, wenn wir nicht offen nachfragen.

Es ist eine gefährliche Entwicklung, wenn wir nur noch Meinungen austauschen, ohne diejenigen zu hören, die ein Problem tatsächlich jeden Tag erleben. Zuhören bedeutet dabei nicht zwangsläufig, mit allem einverstanden zu sein. Man kann Interesse zeigen und nachfragen, während man gleichzeitig respektvoll kommuniziert: „Ich respektiere deine Meinung, aber ich sehe das komplett anders.“ Wer sich für die Welt des anderen öffnet, verliert nichts – im Gegenteil, man gewinnt eine neue Perspektive hinzu.

Drei Impulse für eine bessere Gesprächskultur

Um den Weg zum aktiven Zuhören zu finden, helfen drei konkrete Ansätze:

  • Öffne dich für die Lebenswelt anderer: Begegne deinem Gegenüber mit einer respektvollen Haltung. Erinnere dich daran, dass du durch echtes Interesse nicht schlechter gestellt wirst, sondern dazulernst.
  • Nimm den Druck raus: Du musst nicht sofort reagieren. Oft überlegen wir schon während des Zuhörens, was wir als Nächstes antworten oder welche eigene Geschichte wir zum Besten geben könnten. Eine hilfreiche Übung ist das Paraphrasieren: Gib das Gehörte in eigenen Worten wieder, ohne es zu interpretieren. Ein „Ja, genau“ deines Gegenübers zeigt dir, dass du auf dem richtigen Weg bist.
  • Keine Angst vor Gefühlen: Manchmal schämen wir uns für unsere Unwissenheit oder werden mit Wut und Trauer konfrontiert. Bleib offen und stell dein Ego hinten an. Hinter jeder starken Emotion stecken Bedürfnisse nach Verbindung, Sicherheit oder Schutz. Nutze diese Gefühle: Trauer kann Empathie wecken, und Wut kann die Energie liefern, um Dinge positiv zu verändern.

Wirkliches Zuhören macht die Welt zu einem besseren Ort, weil es Verbindung schafft, wo vorher nur Mauern aus Meinungen standen. Es ist ein Prozess, der Übung erfordert, aber er lohnt sich.

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Alles Gute für dich –
Alina Sauer 

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