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„Junge, warum hast du nichts gelernt?“ – Kennzeichen der Wolfssprache

Die Gewaltfreie Kommunikation wird auch Giraffensprache genannt. Das Gegenstück ist die Wolfssprache, ein Sinnbild für unsere gewohnte Alltagssprache. Was sie kennzeichnet? Ein Lied der Band „Die Ärzte“ eignet sich hervorragend zur Erklärung.

Auf dem Weg zur einfühlsamen, empathischen Kommunikation gibt es viele Stolperfallen. Die Klassiker heißen: Vorwürfe, Urteile, Verantwortung leugnen, Belohnungen/Strafen und Vergleiche. Im praktischen Einsatz sehen sie zum Beispiel so aus:

Die Ärzte: „Junge“ (2007)

                                    

Die Kennzeichen der „Wolfssprache“ auf einen Blick

Vorwürfe & Moralische Urteile

Vorwürfe sind Äußerungen, mit denen man jemandem sagt, dass sie/er Fehler gemacht oder sich nicht richtig verhalten hat. Wir analysieren, interpretieren und werten das (Fehl-)Verhalten des Anderen:

  • Etikettieren: „Du bist zuverlässig/unzuverlässig, schlau/dumm“, …
  • Bewerten, Maßstäbe anlegen, kritisieren:
    • „Das hast du gut/schlecht gemacht“ (Ja, auch Lob kann Wolfssprache sein. Dann nämlich, wenn es als allgemeingültige Aussage formuliert wird, obwohl es doch nur eine Einzelmeinung ist (besser: „Ich finde, das hast du toll gemacht.“, noch besser: „Wenn ich dein aufgräumtes Zimmer sehe, macht mich das glücklich, weil mir Ordnung wichtig ist. Danke.“)
    • „Ich habe Recht, du nicht.“
    • „Meine Worte, Taten und Gedanken sind richtig, deine nicht.“
    • „Ich bin das Maß der Dinge und meine Ansichtigen gelten daher auch für dich.“
    • „Ich weiß, was gut für dich ist.“
  • Analysieren: „Wenn Sie … beachtet hätten, dann …“
  • Interpretieren: „Du machst das nur, weil …“

All diese Kommunikationsmuster sind tragischer Ausdruck unserer unerfüllten Bedürfnisse. Wir wollen etwas bestimmtes bezwecken, formulieren es aber so, dass es als Drohung, Bewertung oder Kritik daherkommt.

So entsteht entweder Widerstand in unserem Gegenüber. Oder er/sie macht, was wir wollen – allerdings nicht aus Liebe und eigenem Antrieb, sondern aus Angst, Scham oder Schuldgefühlen.

Manipulieren mit Forderung, Belohnung & Bestrafung

Belohnungen und Strafen sind zwei Seiten derselben Medaille: Sie sollen das Gegenüber dazu bringen, etwas zu tun. Und wenn nicht, hat das Folgen. Entweder positiv verpackt: „Wenn du dein Zimmer aufräumst, darfst du fernsehen.“ Oder negativ: „Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, darfst du nicht fernsehen.“ Egal, wie herum man es dreht: Die Forderung dahinter bleibt dieselbe.

  • Belohnen: „Wenn du … schaffst, dann darfst du …“
  • Strafen, drohen: „Wenn Du nicht sofort ….., dann …“

Und übrigens: Eine Strafe ist nicht dasselbe wie eine Konsequenz! Eine Konsequenz ist eine – oft zwingende – Folgerung (Wenn es regnet, ist die Konsequenz, dass ich nass werde). Eine Strafe ist eine Strafe. Deshalb sollten wir das auch so benennen. Und nicht sagen: „Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, hat das Konsequenzen.“

Verantwortung leugnen

Oft geben wir die Verantwortung für unsere Gefühle und Bedürfnisse ab:

  • An unkontrollierbare Impulse: „Die Weinflasche war schon angebrochen, ich konnte sie ja nicht schlecht werden lassen.“
  • An soziale Rollenbilder: „Ich gehe überhaupt nicht gern zur Arbeit, aber ich muss es tun, ich bin der Mann und muss das Geld nach Hause bringen.“
  • An Institutionen, an Regeln und Vorschriften: „Mein Chef sagte, ich solle die E-Mail schreiben.“, „Ich kann da nichts machen, so sind die Vorschriften.“
  • An Gruppendruck: „Ich persönlich würde ja nicht rauchen, aber wenn alle rauchen – was will man machen?“
  • An die Handlung anderer: „Maria hat mich zuerst geschubst!“, „Das ist nur schief gelaufen, weil Sie mir nicht Bescheid gesagt haben.“

Aber: jeder von uns ist verantwortlich für die eigenen Gefühle – und nur für die. ∞

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