Freiheit & Selbstbestimmung

Frei sein heißt, die volle Verantwortung für dich zu übernehmen!

Was unterscheidet egoistische Menschen von solchen, die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen? Gibt es da immer einen Unterschied? Und kann Egoismus etwas Positives sein? Ergebnisse einer Sonntagsgrübelei.

„Wenn sich jeder um sich selbst kümmert, ist für alle gesorgt“, lautet eine ironische Weisheit. Eine ziemlich egoistische Aussage, dachte ich bisher. Heute kam mir der Satz wieder einmal in den Sinn – und ergab plötzlich auch Sinn.

Denn man kann die Worte auf zwei Arten interpretieren: Erstens auf eine egoistische und zweitens auf eine verantwortungsvolle.

Um sich selbst kümmern: Ellenbogen raus

Bei der ersten Betrachtungsweise geht es nach dem Motto „Jeder ist sich selbst der Nächste“ darum, meine Schäfchen ins Trockene zu bringen, ohne auf die Bedürfnisse meiner Mitmenschen zu achten. Es geht darum, die Ellenbogen auszufahren und dafür zu sorgen, dass es mir selbst gut geht – ohne Rücksicht auf Verluste.

Das kann im Kleinen passieren: Zum Beispiel, wenn ich Konkurrenten im Rennen um die Beförderung aussteche oder mich um das letzte Discounter-Angebot prügele. Und auch im Großen: Beispielsweise indem ich es in Kauf nehme, dass Menschen in anderen Weltregionen ausgebeutet werden, damit ich günstig shoppen kann.

Das Spannende: Bei dieser Interpretation geht es stets um materielles Für-mich-sorgen, um Statusdenken und Macht, um oben und unten.

Um sich selbst kümmern: Blick nach innen

Anders bei der zweiten Betrachtungsweise, die sich darum dreht Verantwortung zu übernehmen: Wenn ich mich um meine eigenen Bedürfnisse kümmere und meine Aufmerksamkeit bei mir behalte, übernehme ich Verantwortung für mein Leben, für mein Handeln, für meine Zufriedenheit. Ich versuche nicht, andere Menschen zu verbessern oder dafür verantwortlich zu machen, wie es mir geht. Vielmehr schaue ich nach innen – danach, was in mir los ist, welche meiner Bedürfnisse erfüllt oder unerfüllt sind. Und versuche, mich um die Unerfüllten zu kümmern.

So komme ich ins Handeln und kann den einzigen Menschen ändern, bei dem mir das möglich ist: mich selbst.

Wenn sich jeder um sich selbst kümmert, ist für alle gesorgt. Bei beiden Interpretationen geht es darum, sich nicht um andere zu kümmern, sondern nur um sich selbst. Egoismus, also Ich-Bezogenheit, ist demnach bei beiden Versionen im Spiel. Und nicht immer ist das etwas Schlechtes.

Dass für alle gesorgt ist, wird mit der verantwortungsvollen Betrachtungsweise aber sehr viel wahrscheinlicher. Wenn jeder mit sich selbst im Reinen ist, dann ist tatsächlich für alle gesorgt – denn dann fällt es leicht, auch anderen etwas vom Kuchen abzugeben und großherzig zu sein. ∞

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