Warum uns das Wort MÜSSEN kraft- und machtlos macht – und was dagegen hilft

Wir nutzen das Wort “müssen” sehr häufig in unserer Alltagssprache: “Ich muss noch schnell einkaufen gehen”, “ich muss mich beeilen” oder “ich muss morgen arbeiten“. Meist nutzen wir das Wörtchen ganz unbewusst – und dennoch macht es etwas mit uns: Es löst Stress aus und versperrt uns den Weg in ein selbstbestimmtes Leben.


Die passende Podcastfolge kannst du dir hier anhören:

#003 Podcast: Aufgehorcht: Sprichst du eine Sprache, die dir guttut?


  • „Ich kann leider nicht mitkommen, ich muss an dem Tag arbeiten.“
  • „Ich komme gleich, muss nur noch kurz die Wäsche zusammenlegen.“
  • „Morgen nachmittag habe ich keine Zeit, da muss ich zum Friseur.“
  • „Ich kann leider nicht mit Fußball gucken – meine Tante hat Geburtstag, da muss ich hin.“

Solche und ähnliche Sätze hören und sagen wir tagtäglich. Was sie gemein haben? Erstens: das Wort „müssen“. Zweitens: Sie sind nicht wahr.

„Was?“, wirst du nun vielleicht denken, „du hast gut reden! Ich muss nunmal den ungeliebten Job machen, etwas besseres bekomme ich nicht.“ Oder: „Unverschämtheit! Es ist nunmal so, dass ich zu dem langweiligen Familienfest muss – du hast ja keine Ahnung, wie sich alle sonst wieder aufregen, wenn ich nicht hingehe.“

Ich sage: Ja, du wirst vielleicht Widerstand erfahren, wenn du dich anders entscheidest. Und ja, nicht jeder wird deine Entscheidung verstehen, wenn du kündigst und etwas ganz anderes machst. Niemand tut irgendetwas, was er oder sie nicht tun möchte. Ich sage aber auch: Du hast dich bewusst für den Job oder den Geburtstagsbesuch entschieden. Niemand sonst.

Die gute Nachricht: Du musst gar nichts

Das Leben besteht aus Entscheidungen. Wir können in jedem Moment unseres Lebens wählen, wer wir sein wollen und wie unser Leben sein soll.

Wir haben uns an einem Punkt unseres Lebens für eine Ausbildung entschieden, für einen Job, für eine Familie, für einen Wohnort, für eine Wohnung, für bestimmte Hobbies, für (oder gegen) Haustiere. Nein, wir müssen all das nicht. Wir wollten es – oder eben auch nicht, und auch das ist eine Entscheidung.

Es ist natürlich nicht immer so, dass wir bei all unseren Entscheidungen „juhuu, ich entscheide mich aus vollem Herzen dafür!“ schreien. Manchmal haben wir wenige Wahlmöglichkeiten und entscheiden uns dann der Vernunft wegen für einen Job, den wir eigentlich gar nicht wirklich machen wollen. Oder wir heiraten ausschließlich aus steuerlichen Gründen. Oder wir nehmen die Wohnung, nicht weil sie supertoll ist, sondern weil es die 43. ist, die wir uns angeschaut haben und wir einfach keine Lust mehr haben – und soooo schlecht ist sie doch nun auch wieder nicht. Ist mal was anderes mit der Dusche in der Küche.

Wenn wir aber genauer hinschaust, dann wird schnell klar: Niemand hat uns gezwungen, uns eine Pistole an die Schläfe gehalten und gesagt „unterschreib den Vertrag!“ oder „heirate den Mann, den du nicht liebst!“. Das ist unsere eigene Entscheidung. Ich weiß, diese Einsicht kann schmerzhaft sein – denn oftmals fühlt es sich unterbewusst einfach viel bequemer und sicherer für uns an, andere Menschen oder die äußeren Umstände für unsere Probleme und Herausforderungen verantwortlich zu machen. Zugleich nehmen wir uns damit aber auch die Möglichkeit, die Umstände, die uns stören, zu ändern.

Foto Du musst gar nichts

Das Leben proaktiv gestalten, anstatt zu reagieren

Wenn wir sagen, wir müssten dieses und jenes tun, dann leugnen wir unsere eigene Verantwortung für unsere Entscheidungen. Das hat zur Folge, dass wir unser Leben nicht mehr gestalten, sondern nur noch reagieren – auf das, was unsere Familie, der Chef, die Gesellschaft, unser Partner von uns will.

Beobachte einmal einen Tag lang deine Gedanken und Worte. In welchen Situationen denkst oder sagst du „ich muss“? In welchen Bereichen deines Lebens hast du das Gefühl, nicht selbst zu entscheiden, sondern lediglich zu reagieren?

Und: Ist das wirklich so?

Es kann sein, dass du in deinem Lebensbereich Beruf sehr oft zum Gedanken neigst, etwas tun zu müssen – während es dir in anderen Bereichen – beispielsweise Familie oder Freundschaften – ganz leicht fällt, auf deine Bedürfnisse zu achten und Verantwortung zu übernehmen.

Übernimmst du die Verantwortung für deine Entscheidungen?

Wenn dir auffällt, dass du sehr oft “ich muss” denkst und sagst, kann es hilfreich sein, die Worte zu verändern:

  • „Ich kann leider nicht mitkommen, ich werde an dem Tag arbeiten.“
  • „Moment, ich will nur noch kurz die Wäsche zusammenlegen.“
  • „Morgen Nachmittag habe ich keine Zeit, da gehe ich zum Friseur.“
  • „Ich kann nicht mit Fußball gucken – ich werde auf den Geburtstag meiner Tante gehen.“

Das zeigt dir allein sprachlich, dass du die freie Wahl hast, wie du deine Zeit verbringst, was du tust und was nicht. Und auch, dass es immer eine andere Möglichkeit, einen Plan B, gibt.

Mach dir die Welt, wie sie dir gefällt

Aber Achtung: Dieser Artikel soll kein Freifahrtschein dafür sein, die Segel schnell zu streichen, wenn’s mal unangenehm wird. Natürlich können wir nicht immer alles hinschmeißen, nur weil wir mal keine Lust auf unsere Arbeit, einen Termin etc. haben. Herausforderungen gehören zum Leben dazu und so kann auch Wachstum geschehen.

Was ich meine ist: Überlege dir, wie du eine dir unangenehme Situation, eine Aufgabe oder ein Gespräch so gestalten kannst, dass es für dich ein bisschen angenehmer wird.

Ich habe dafür ein paar Möglichkeiten für weniger Alltagsstress und mehr Leichtigkeit gesammelt.

Ideensammlung für weniger “Muss” und mehr Eigenverantwortung im Alltag

  • Bring dir frische Blumen mit ins Büro, um den Arbeitsalltag etwas freundlicher zu gestalten.
  • Wenn du viel sitzt, mache regelmäßig eine kurze Bewegungspause (z.B. alle 90 Minuten, eine Mini-Yoga-Einheit auf dem Bürostuhl, roll die Schultern zurück und entspanne deine Gesichtsmuskeln und deine Augen).
  • Schau beim ungeliebten Wäsche-Zusammenlegen eine spannende Serie – oder höre deine Lieblingsmusik und tanz dabei um den Wäscheständer herum.
  • Betrachte deinen Friseurtermin nicht als notweniges Muss, sondern genieße die Zeit und danke dir selbst für diese Selbstfürsorge-Einheit.
  • Welche Möglichkeiten fallen dir noch ein?

Bist du bereit, dein Leben eigenverantwortlich zu leben?

Und wenn du merkst, dass du auf die Dinge, die du vermeintlich tun musst, überhaupt keine Lust hast, dann tu sie nicht – wenn du bereit bist, mit den Konsequenzen zu leben.

Wenn du zum Beispiel sehr unglücklich in deinem Job bist und dir auch kleine Veränderungen (wie oben im Beispiel die frischen Blumen und die Bewegungseinheiten zwischendurch) keine Abhilfe schaffen – dann überlege dir, was deine Alternativen sind. Dazu kann es auch gehören, dir einen neuen Job zu suchen – wenn du bereit bist, die Konsequenzen auf dich zu nehmen, zu denen Unsicherheit und die Angst vor dem Unbekannten gehören können.

Spüre in dich hinein: Was brauchst du? Welche Bedürfnisse sind in deinem Job (nicht) erfüllt? Und wie fühlen sich die beiden Alternativen – gehen oder bleiben – in deinem Körper an? (Dafür empfehle ich dir auch von Herzen meinen kostenlosen 5-Tage-Basiskurs, in dem es unter anderem eine hilfreiche Übersicht über Gefühle und Bedürfnisse sowie Übungen zur Selbstreflexion gibt).

Und auch beim Beispiel des Geburtstags der Tante kannst du in dich hineinspüren: Will ich den langen Weg auf mich nehmen? Will ich heute meine Zeit auf diesem Geburtstag verbringen? Und kann ich damit leben, wenn meine Tante sauer ist, wenn ich absage? Wenn ja: Sag den Geburtstag der Tante ab und geh mit einer guten Freundin picknicken. Rechne nicht damit, dass die Tante begeistert sein wird. Aber sei stolz auf dich, dass du eine Entscheidung für dich getroffen und Verantwortung für dein Leben und dein persönliches Glück übernommen hast.

Wie sorgst du heute dafür, dass du weniger musst und mehr willst? Wie gestaltest du deinen Tag, deine Termine und Begegnungen?

Alles Liebe,

Hier steht ein tolles Zitat, welches zu dir noch überlegen musst. Aber ich denke dir fällt was tolles ein.

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