Achtsame Kommunikation & Sprache

Wortwörtlich (3): MUSST du noch oder WILLST du schon?

Sprache ist ein mächtiges Werkzeug. Sie kann verbinden und zerstören, wirkt mal skalpellscharf, mal einlullend, mal aufrüttelnd. Dieses Wissen können wir uns zunutze machen und damit unser Wohlbefinden stärken. Heute: Warum uns das Verb „müssen“ kraft- und machtlos macht und was dagegen hilft.

  • „Ich kann leider nicht mitkommen, ich muss an dem Tag arbeiten.“
  • „Ich komme gleich, muss nur noch kurz die Wäsche zusammenlegen.“
  • „Morgen nachmittag habe ich keine Zeit, da muss ich zum Friseur.“
  • „Ich kann leider nicht mit Fußball gucken – mein Onkel hat Geburtstag, da muss ich hin.“

Solche und ähnliche Sätze hören und sagen wir tagtäglich. Was sie gemein haben? Erstens: das Wort „müssen“. Zweitens: Sie sind nicht wahr.

„Was?“, wirst du nun vielleicht denken, „du hast gut reden! Ich muss nunmal den ungeliebten Job machen, etwas besseres bekomme ich nicht.“ Oder: „Unverschämtheit! Es ist nunmal so, dass ich zu dem lanweiligen Familienfest muss du hast ja keine Ahnung, wie sich alle sonst wieder aufregen, wenn ich nicht hingehe.“

Ich sage: Ja, du wirst vielleicht Widerstand erfahren, wenn du dich anders entscheidest. Und ja, nicht jeder wird deine Entscheidung verstehen, wenn du kündigst und etwas ganz anderes machst. Niemand tut irgendetwas, was er oder sie nicht tun möchte. Ich sage aber auch: Du hast dich bewusst für den Job oder den Geburtstagsbesuch entschieden. Niemand sonst.

Wir haben die Wahl

Das Leben besteht aus Entscheidungen. Wir können in jedem Moment unseres Lebens wählen, wer wir sein wollen und wie unser Leben sein soll.

Wir haben uns an einem Punkt unseres Lebens für eine Ausbildung entschieden, für einen Job, für eine Familie, für einen Wohnort, für eine Wohnung, für bestimmte Hobbies, für (oder gegen) Haustiere. Nein, wir müssen all das nicht. Wir wollten es oder eben auch nicht, und auch das ist eine Entscheidung.

Es ist natürlich nicht immer so, dass wir bei all unseren Entscheidungen „juhuu, ich entscheide mich aus vollem Herzen dafür!“ schreien. Manchmal haben wir wenige Wahlmöglichkeiten und entscheiden uns dann der Vernunft wegen für einen Job, den wir eigentlich gar nicht wirklich machen wollen. Oder wir heiraten ausschließlich aus steuerlichen Gründen. Oder wir nehmen die Wohnung, nicht weil sie supertoll ist, sondern weil es die 43. ist, die wir uns angeschaut haben und wir einfach keine Lust mehr haben und soooo schlecht ist sie doch nun auch wieder nicht. Ist mal was anderes mit der Dusche in der Küche.

Wenn wir aber genauer hinschaust, dann wird schnell klar: Niemand hat uns gezwungen, uns eine Pistole an die Schläfe gehalten und gesagt „unterschreib den Vertrag!“ oder „heirate den Mann, den du nicht liebst!“. Das ist unsere eigene Entscheidung.

Das Leben geastalten, anstatt zu reagieren

Wenn wir sagen, wir müssten dieses und jenes tun, dann leugnen wir unsere eigene Verantwortung für unsere Entscheidungen. Das hat zur Folge, dass wir unser Leben nicht mehr gestalten, sondern nur noch reagieren auf das, was unsere Familie, der Chef, die Gesellschaft, unser Partner von uns will.

Beobachte einmal einen Tag lang deine Gedanken und Worte. In welchen Situationen denkst oder sagst du „ich muss“? In welchen Bereichen deines Lebens hast du das Gefühl, nicht selbst zu entscheiden, sondern lediglich zu reagieren?

Und: Ist das wirklich so?

Wenn nicht, kannst du deine Worte verändern:

  • „Ich kann leider nicht mitkommen, ich werde an dem Tag arbeiten.“
  • „Moment, ich will nur noch kurz die Wäsche zusammenlegen.“
  • „Morgen Nachmittag habe ich keine Zeit, da gehe ich zum Friseur.“
  • „Ich kann nicht mit Fußball gucken ich werde auf den Geburtstag meines Onkels gehen.“

Und wenn du merkst, dass du auf die Dinge, die du vermeintlich tun musst, gar keine Lust hast dann tu sie nicht. Sag den Geburtstag vom Onkel ab und geh Fußball schauen. Rechne nicht damit, dass der Onkel begeistert sein wird. Aber womit du rechnen kannst, ist mit einem guten Gefühl denn du hast eine Entscheidung für dich getroffen und Verantwortung für dein Leben und dein persönliches Glück übernommen. ∞


In der Rubrik „Wortwörtlich“ erschienen bereits:

(1) Warum ein UND viel kraftvoller ist als ein ABER

(2): NIE und IMMER machen alles schlimmer

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