Gutes tun & Ziele verwirklichen

Alle Jahre wieder: Wie geht das noch mal mit dem Schenken?

Gewimmel in den Läden, lange Wartezeiten bei den Versandhändlern: Der Konsum steht an Weihnachten oft im Vordergrund. Die kollektive Einkaufswut kommt getarnt als „die Lieben beschenken“ daher – dabei verkümmert der ursprüngliche Sinn des Schenkens in unserer Überflussgesellschaft zunehmend. 

Wann ist es wohl so weit, dass man per Knopfdruck passende Weihnachtsgeschenke für die Lieben nach Hause bestellen kann – schon liebevoll verpackt und genau auf die Vorlieben des Beschenkten zugeschnitten? Eine Win-Win-Situation, könnte man meinen: Dem einen erspart’s Stress, dem anderen Umtausch-Gerenne. Und utopisch ist das ja nicht: Amazon zum Beispiel hat ja sowieso die Interessen und Wünsche seiner Nutzer gespeichert. Warum sie nicht dazu nutzen, direkt – ohne menschliche Zwischeninstanz – das passende Geschenk zu liefern?

Die Geschenkesuche ist für viele ein nicht gerade leichtes Unterfangen zur Weihnachtszeit. Es gibt ganze Branchen, die zumindest zum Teil von der Verzweiflung solcher Geschenkesucher leben: Ramsch- und Blumenläden, Juweliere, Geschenkeläden, Tankstellen.

Und alle Jahre wieder sehnen sich Menschen – mich eingeschlossen – in der Vorweihnachtszeit nach weniger Stress, weniger Trubel und mehr wirklicher Vorfreude, ohne „Oh-Gott-für-xy-brauche-ich-ja-auch-noch-eine-Kleinigkeit“-Gedanken. Dabei ist es ja eigentlich ganz einfach: Üblicherweise beschenkt man die Menschen, die man mag. Und wenn man sie mag, weiß man zumeist auch, was ihnen Freude bereiten könnte. Das ist ja der Sinn des Schenkens: Freude bereiten. Das scheinen viele vergessen zu haben, wenn sie sagen: „Ich muss noch Geschenke kaufen.“

Manche Geschenke sind unecht

Sich extra in den vorweihnachtlichen Einkaufstrubel zu stürzen, um nicht mit leeren Händen dazustehen, halte ich daher für falsch. Denn ich möchte einerseits nicht, dass sich jemand diesen Stress macht – und andererseits möchte ich auch nicht mit einem lieblosen Verlegenheitsgeschenk abgespeist werden. Denn die rufen eher Verlegenheit hervor, als dass sie sie vermeiden. Weil sie meistens nicht mit dem Gedanken geschenkt werden, Zuneigung auszudrücken, sondern, „weil man an Weihnachten eben was schenkt“. Sie sind nicht echt. Und dann passiert es, dass man aus Höflichkeit dem Gegenüber Freude vorgaukelt, sodass der soziale Frieden gewahrt bleibt. Weihnachten ist ja schließlich das Fest der Liebe.

Doch selbst für Leute, die dem entgehen wollen und sich explizit nichts wünschen, hat sich die Industrie etwas einfallen lassen: „Nichts: das Geschenk in Buchform für Menschen, die schon alles besitzen oder es sich ausdrücklich gewünscht haben“ zum Beispiel, „Endlich Ruhe! Die erste CD ohne Ton“, oder: Eine Box, auf der „absolut nichts“ geschrieben steht. Da ist es doch allemal besser, das Geld zu spenden, anstatt sie für, ja genau, absolut nichts auszugeben.

Mein Tipp: Zeit schenken

Ich löse das so: Wenn ich etwas genau Passendes im Sinn habe, etwas von dem ich weiß, dass es meinen Lieben Freude bereitet, dass sie es sich wünschen oder brauchen: Perfekt! Denn dann macht das Schenken wirklich Freude – mir und den Beschenkten. Wenn der Geschenkekauf mit Stress verbunden ist, lasse ich’s – und schenke ich stattdessen Zeit. Zum Beispiel in Form eines gemeinsamen Ausflugs oder eines selbst gekochten Essens. Denn Zeit ist in unserer Überflussgesellschaft die einzige knappe Ressource.

Und wenn alles nichts hilft, gibt es noch eine schöne Idee aus Franken: Dort gibt es in vielen Orten kurz nach Weihnachten den „Markt der langen Gesichter“, auf dem Menschen unliebsame Weihnachtsgeschenke wieder loswerden können – und damit etwas Geld zurückbekommen und gleichzeitig für einen guten Zweck spenden.

Das sollte es überall geben, finde ich – aber noch besser wäre es natürlich, die ganze Energie, die für die Produktion von Ramsch aufgewendet wird, gleich für den guten Zweck zu bündeln. ∞

 

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