Psychologie To Go

Warum du vom Leben immer das bekommst, was du erwartest

Jeder von uns sieht die Welt durch seinen individuellen Filter, denn jeder von uns ist von anderen Erfahrungen, Umgebungen und Menschen geprägt. Unser Filter bestimmt, was wir wahrnehmen  und wie wir neue Informationen einordnen.

„Irgendwie ist heute nicht mein Tag: Erst habe ich den Wecker nicht gehört, dann vor lauter Eile meinen Regenschirm vergessen und an der Arbeit wurde ich – nachdem ich durchnässt dort ankam – direkt von der Kollegin angeblafft. Den Kinoabend hat meine Freundin dann auch noch abgesagt…“

So könnte die Erzählung ewig weitergehen – wenn man einmal das Gefühl hat, es läuft nicht… tja, dann läufts auch nicht.

Warum ist das so? Warum trifft so oft genau das ein, was man erwartet?

Das liegt am Confirmation Bias (zu Deutsch: Bestätigungsfehler).

Der Confirmation Bias besagt: Wir interpretieren neue Informationen so, dass sie zu unseren Überzeugungen, Vorstellungen und Glaubenssätzen passen. Und Informationen, die sich nicht mit unseren Ansichten decken, filtern wir einfach heraus.

Man könnte auch sagen: Wir sehen die Welt durch eine getönte Brille.

Zum Beispiel die rosarote: Wenn wir verliebt sind, blenden wir die schlechten Eigenschaften des oder der Angebeteten aus und nehmen nur die liebenswerten Merkmale wahr. Gegenteilige Anzeichen, die unserer Sicht widersprechen (in der Psychologie heißen sie Disconfirming Evidence), tun wir als Ausnahme oder Zufall ab.

Er lauert im Horoskop – und bei Facebook

Falls du dich schon mal gefragt hast, warum dein Horoskop so oft zutrifft: Confirmation Bias. Die Texte sind so schwammig, dass für jeden etwas dabei ist – egal, welche Wahrnehmungs-Brille man trägt.

Verstärkt tritt der Confirmation Bias in den sozialen Netzwerken zutage: In den Filterblasen von Facebook & Co. tummeln sich Gleichgesinnte – und die Algorithmen sorgen dafür, dass uns stets die Dinge angezeigt werden, die wir sowieso mögen. Will man über den Tellerrand schauen – und auch Inhalte von anderen Interessengruppen sehen – muss man aktiv danach suchen.

Im analogen Leben wirkt der Confirmation Bias in zwei Richtungen: Siehst du in allem zuerst das Negative („Och nö, schon wieder den Anschlusszug verpasst“), wirst du dafür ebenso viel Bestätigung finden wie jemand, der eher auf das Positive fokussiert ist („Cool, dann bleibt mehr Zeit zum Podcast hören“).

Wie dein Tag verläuft, ist also oft auch eine Frage der Perspektive.

Die Brille selbst tönen

Das Gute ist: Du kannst deinen Fokus verschieben – und den Confirmation Bias damit ein Stück weit austricksen.

Vor allem hilft es, die Disconfirming Evidences aufzuschreiben – also zum Beispiel deine positiven Erlebnisse. Das können auch Kleinigkeiten sein: Ein Sonnenstrahl, der sich an der grauen Wolke vorbeidrängt, ein Fremder, der dich einfach so anlächelt, der Duft des ersten Kaffees am Morgen.

Auf diese Notizen kannst du immer wieder zurückgreifen – und so dazu beitragen, dass deine Wahrnehmungs-Brille am nächsten Freitag, den 13., nur die Glücksmomente durchlässt. ∞

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